Projekt: "Museumsdokumentation"

Ein Erfassungsprojekt materieller Kultur in Museen und Privatbesitz

von Marsina Noll 

 

Die „Museumsdokumentation“ gehört zum Altbestand des Bildarchivs. Über einen Zeitraum von 30 Jahren fotografierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des volkskundlichen Instituts in Dresden ab Mitte der 1930er Jahre Werkzeuge, Geschirr und Möbel in Hunderten von Museen, Heimatstuben und volkskundlichen Sammlungen sowie in Privathaushalten. Auf diese Weise entstand ein einzigartiger Bestand an Bildquellen, der einerseits Aufschlüsse für die Sachkulturforschung liefern kann, anderseits aber auch Aufschluss über die Wissen(schaft)sgeschichte der Disziplin Volkskunde zwischen 1936 und 1970 bietet.

Abb. 1: Wachsstock aus dem Heimatmuseum Sebnitz

Bei den rund 20.000 Bildern handelt es sich vor allem um Fotografien von Alltagsgegenständen, die nicht mehr in Gebrauch waren oder aber zum Zeitpunkt der Aufnahme noch genutzt wurden. Ergänzende Informationen wie Größe, Verwendungszweck oder Beschreibung des Materials wurden zusätzlich aus den Inventarbüchern der Einrichtungen entnommen oder von den Fotografen und Fotografinnen selbst recherchiert. 

 

Durch die Kombination von Objektfotografie und Objektinformation mit einem Ordnungssystem aus Sach- und Untergruppen entstand umfangreiches Quellenmaterial, das einen Einblick in Alltagsgeschehen, ritualisierte Handlungen und lokale Besonderheiten zu unterschiedlichen Zeiten gewährt. Abbildung 1 zum Beispiel, zeigt einen Wachsstock aus dem Heimatmuseum Sebnitz. Durch seine Einordnung in die Untergruppe „Liebe“ der Sachgruppe „Minne- und Erinnerungsgaben“ und den zugehörigen Objektinformationen wird Herstellung, Zweck und lokaler Brauch offenbar: Solche Wachsstöcke wurden in der Gegend um Sebnitz hergestellt und als Zeichen der Zuneigung verschenkt.  

Kriegsbedingte Verluste, Umlagerungen, Überarbeitungen älterer Ordnungsstrukturen und schließlich auch die Digitalisierung des Bestandes haben die einstigen Kategorien der Sach- und Untergruppen nahezu vollständig aufgelöst. Ihre Rekonstruktion konnte bisher nur in Ansätzen geleistet werden. Stellvertretend für die unterschiedlichen Phasen der Bestandsentwicklung werden daher die an der Museumsdokumentation beteiligten Fotografinnen und Fotografen in den Blick genommen. Die Betrachtung ihrer Arbeit und ihres methodischen Vorgehens ermöglicht zudem einen Einblick in die Instituts- und Wissenschaftsgeschichte.

 

 

Beginn der Fotodokumentation 1937: Else-Marie Wunderlich 

Im ausgehenden 19. Jahrhundert begannen bürgerliche Verbände zunehmend mit der Sammlung, Aufbewahrung und auch Ausstellung von Alltagsgegenständen. Ihr Bestreben zielte darauf, jenseits der industriellen Massenproduktion gefertigte Kleidung, Haushalts- und Arbeitsgeräte aufzubewahren. Solche Gegenstände schienen zunehmend aus dem Alltag zu verschwinden. Im Zusammenhang mit diesem Bemühen entstand 1895 zum Beispiel auch das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien. Beinahe zeitgleich wurde erstmals Bildmaterial in die Forschung miteinbezogen. Aufwendige Hand- oder Maßstabszeichnungen dienten der Illustration oder als Belegexemplare materieller Kultur. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts und dem Aufkommen mobiler Apparate löste die Fotografie diese Dokumentationsformen zunehmend ab. Resultierend aus der damit einhergehenden Flexibilität entstanden zu Beginn der 1930er Jahre mehrere volkskundliche Fotosammlungen, zum Beispiel die des Haus- und Sachforschers Max Lohß oder das Bildarchiv der Landesstelle für Volkskunde in Stuttgart. Die Fotografie wurde „zu einem selbstverständlichen Arbeitsmittel und […] zugleich zu einem überzeugenden Darstellungsmittel der Wissenschaft“ (Rexer 1995, 122). 1936 begann auch Adolf Spamer damit, ein Wort-, Film- und Bildarchiv anzulegen, mit dem Ziel der „planmäßigen volkskundlichen Erforschung des gesamten sächsischen Raumes“ (Spamer Institutsakten). Zu diesem Zweck sollten zunächst für die volkskundliche Forschung relevante Gegenstände aus sächsischen Museen und Sammlungen erfasst und abgebildet werden. 

Hierzu schrieb er an die Deutsche Gemeinschaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung:

„Die Abteilung Volkskunde der Reichsgemeinschaft der deutschen Volksforschung beabsichtigt nunmehr mit der Anlage eines Bildarchivs zu beginnen, das die Bildbestände der grossen öffentlichen und privaten Sammlungen, sowie der Heimatmuseen aushebt, soweit sie uns wichtige Aufschlüsse über Sitte und Brauch, Volksfeste und Volksglauben, Trachten usw. geben. […] Als geeignete Arbeitskraft steht uns hier ein Fräulein E.M. Wunderlich […] zur Verfügung, die ihr Lehrerin-Examen an der Hochschule für Lehrerbildung gemacht hat, aber einstweilen noch nicht in den Schuldienst eintreten möchte. Sie ist besonders künstlerisch ausgebildet, hat eine volkskundliche Staatsprüfungsarbeit angefertigt und ist im Photographieren bewandert.“ (Spamer, Reichsgemeinschaft an DFG, Wildhagen, 26.3.1936)

1937 begann Else Marie Wunderlich mit der fotografischen Dokumentation der Museumsobjekte. Die entstandenen Bildabzüge wurden auf Karteikarten geklebt und mit Objektinformationen versehen. Auch fand eine erste Ordnung nach Sach- und Untergruppen statt. 

Infolge der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges musste die im Aufbau befindliche Sammlung mehrfach umziehen bzw. wurden einige Teile ausgelagert, andere wiederrum vernichtet. Einige aufwendig erarbeitete Karteikarten mit Wunderlichs Fotoabzügen gingen verloren; nur die Negative blieben erhalten. 

Ende der 1940er Jahre gründete Spamer an der Technischen Hochschule Dresden das Institut für Volkskunde und begann mit dem Wiederaufbau des Bildarchivs. Anhand der Negative konnten auch Teile der Museumsdokumentation rekonstruiert werden. Eine aktive Erweiterung des Bestandes wurde jedoch erst zu Beginn der 1950er Jahre in Angriff genommen, wobei auch die Objektfotografien aus den dreißiger Jahren weiterbearbeitet wurden. Die nachträgliche Zuordnung des Materials gestaltete sich äußerst schwierig. Zunächst mussten Fotoabzüge der Negative erstellt werden, welche dann an das jeweilige Museum mit der Bitte um Überprüfung geschickt wurden. Doch auch die Museen waren von Auslagerung ihrer Bestände oder Schließung betroffen und häufig nicht in der Lage, die Objekte zu identifizieren. Eine erneute Gruppierung des Bildmaterials nach Sach- und Untergruppen wurde in Angriff genommen. Ob es sich dabei um eine Rekonstruktion des Ordnungssystems aus den 1930er Jahren oder um eine überarbeitete Struktur handelte, konnte bislang nicht nachvollzogen werden. 

1954 bat das Institut die inzwischen verheiratete Else Marie Kutzner um ihre neuerliche Mitarbeit. Aufgrund familiärer Verpflichtungen sah sie sich jedoch außer Stande, ihre Arbeit am Bildarchiv wieder aufzunehmen, half aber bereitwillig bei der Identifizierung der Negative. Trotz aller Bemühungen konnten dadurch jedoch nur Teile des Materials rekonstruiert werden. 

Abb. 2: Teekanne aus dem Heimatmuseum Sebnitz

Heute sind ca. 2.000 Objektfotografien aus 17 sächsischen Museen und Sammlungen von Else Marie Wunderlich im Bildarchiv des ISGV vorhanden. Die Objekte auf den Bildern sind größtenteils in der Bildmitte angeordnet, der Hintergrund ist neutral. Der Fokus ist klar auf die Objekte gerichtet, nichts lenkt von ihnen ab. Allenfalls sind beispielsweise in Teekannen aus Metall Spiegelungen der Umgebung zu erkennen [Abb. 2]. Darüber hinaus lassen sich keine Rückschlüsse auf das Museum bzw. den Standort des Gegenstands ziehen. Auffallend ist, dass Wunderlich keine Detailfotografie nutzte. Von jedem Gegenstand wurden maximal zwei Aufnahmen gemacht, in den meisten Fällen dann, wenn das Objekt aus einer Perspektive nicht vollständig zu erkennen war. Zufällige Aufnahmen, die die Situation dokumentieren, sind im Wunderlich-Material nicht zu finden. Hauptursache war sicherlich das damals recht kostenintensive Fotomaterial. Das passgenaue Arrangement der Bildinhalte lässt außerdem auf eine detaillierte Vorabplanung schließen. 

 

Wiederaufnahme 1950 bis 1955: Herbert Franke 

Neben der Bearbeitung der Wunderlich-Bilder wurde zu Beginn der 1950er Jahre auch die fotografische Dokumentation in den Museen wiederaufgenommen. Der Arbeitsplan des Instituts für Volkskunde für das Jahr 1951 sah vor, die „Bildaufnahmen volkskundlicher Gegenstände in sächsischen Museen und im Privatbesitz“ fortzuführen. Damit vollzog sich auch ein wesentlicher Schritt in der Bestandsentwicklung: Im Folgenden wurden nicht nur museale Objekte erfasst, sondern auch solche aus Privathaushalten. 

Die fotografische Arbeit übernahm Herbert Franke. In den Jahren 1952 und 1953 besuchte Franke etwa 170 Orte und erweiterte die Museumsdokumentation um rund 4.700 Bilder. Thematisch orientieren sich diese Fotografien vor allem an den Forschungsschwerpunkten des Instituts: dem Montanwesen, der Textilproduktion und der Spielzeugherstellung. 

Diese zweite Phase der Dokumentation wurde durch das Zentralhaus für Laienkunst (Leipzig) finanziell unterstützt. Die Zusammenarbeit gestaltete sich zu Beginn kooperativ, doch entwickelten sich im Laufe der Zeit zunehmend Unstimmigkeiten darüber, wer über das generierte Material verfügen durfte. 1953 hatten Friedrich Sieber, der Leiter des Instituts für Volkskunde, und Karl Ewald Fritzsch entschieden, dass von jeder Fotografie je ein Abzug an das Zentralhaus für Laienkunst in Leipzig, die Deutsche Fotothek und das Institut für Volkskunde gehen sollte. Dennoch dauerten die Konflikte an. So schrieb Sieber an den Leiter des Zentralhauses für Laienkunst, Paul Nedo: 

„Lieber Paul, durch finanzielle Unterstützung kauft man nicht die Arbeitsleistung eines wissenschaftlichen Instituts auf. Die sächsische Bildaufnahme ist eine Arbeitsgrundlage der im Institut laufenden Untersuchungen. Sie ist unser geistiges Eigentum.“ (Sieber Institutsakten) 

Erst 1955 erklärten sich alle Parteien mit diesem Vorgehen einverstanden. Die Auseinandersetzungen haben Folgen: So sind noch heute einige Aufnahmen in unterschiedlichen Einrichtungen zu finden, beispielsweise sowohl im ISGV als auch in der Deutschen Fotothek. 

Abb. 3: Kastentruhe aus dem Bergbaumuseum Freiberg

Frankes fotografische Arbeit unterscheidet sich in drei zentralen Punkten von der Wunderlichs: Erstens gibt es von den einzelnen Objekten mehrere Aufnahmen, beispielsweise Detailansichten einzelner Gegenstände oder unterschiedliche Perspektiven. Zweitens fotografierte Franke neben volkskundlich relevanten Gegenständen auch Personen, vor allem im Zusammenhang mit Trachtenkleidung. Darüber hinaus wirkt, drittens, die Inszenierung der Objekte weniger sorgfältig: Die Ausstellungsstücke sind häufig nicht ins Bildzentrum gerückt, manche sind gar schief aufgenommen. Innerhalb eines Jahres erstellte Else Marie Wunderlich, soweit nachvollzogen werden konnte, in 17 Orten knapp 2.000 Bilder. In etwa der gleichen Zeitspanne produzierte Franke mehr als doppelt so viel Bildmaterial in 170 Orten. In Verbindung mit der institutsinternen Überlieferung lässt sich schließen, dass der ersten Phase der Museumsdokumentation eine deutlich detailliertere Planung vorausging: Die zu fotografierenden Stücke waren im Vorfeld ausgewählt worden, während Franke die passenden Objekte häufig erst vor Ort selbst bestimmen musste. Aufgrund der Beteiligung mehrerer Institutionen und Personen ist außerdem zu vermuten, dass zwar einerseits mehr Geld zur Verfügung stand und damit eine höhere Materialdichte generiert werden konnte. Andererseits wird auch der Druck auf Franke, möglichst viele Gegenstände zu fotografieren, deutlich höher gewesen sein. Diese Phase vermutlich hektischer Betriebsamkeit lässt sich auch in der fotografischen Arbeit erkennen, indem der Bildaufbau weniger präzise gestaltet ist. 

 

Ausbau der fotografischen Erfassung 1953 bis 1955: Willy Verhey 

Abb. 4: Glückwunschbriketts aus dem Museum Senftenberg

Die Voraussetzungen für die fotografische Arbeit waren in den 1950er Jahren alles andere als optimal. So gab es kein eigenes Fahrzeug für Dienstreisen, die technische Ausstattung war spärlich und Fotoabzüge konnten nicht am Institut selbst hergestellt werden. Dennoch blieb die fotografische Erfassung volkskundlich relevanter Gegenstände in den 1950er Jahren nicht nur eine der Hauptaufgaben, sondern wurde über den sächsischen Raum hinaus ausgeweitet. 

 

Zu dieser Zeit gab es in der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, der auch das Institut in Dresden angehörte, mehrere volkskundliche Fotodokumentationen. Willy Verhey führte zwischen 1953 und 1955, in Zusammenarbeit mit Johanna Nickel, eine dem sächsischen Vorhaben vergleichbare Fotodokumentation in brandenburgischen Museen durch. Verhey orientierte sich hierbei vor allem an Frankes Arbeit. Aus dem gemeinsamen Austausch entwickelte sich eine Zusammenarbeit zwischen der Dresdner und der Berliner Arbeitsstelle. Es wurden Bildmaterialien aus dem jeweils anderen Einzugsgebiet ausgetauscht und Bestände ergänzt. So sind heute auch 2.600 Bilder aus 50 brandenburgischen Museen Teil der Museumsdokumentation des ISGV. Daneben finden sich Aufnahmen aus Museen weiterer Regionen wie den heutigen Bundesländern Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern. 

 

Dokumentation des Privatbereichs 1959 bis 1965: Hans Apelt

Die „Bildaufnahmen volkskundlicher Gegenstände in sächsischen Museen und im Privatbesitz“ hatten keine flächendeckende Dokumentation zum Ziel. Vielmehr sollte eine umfangreiche Materialsammlung entstehe, die sich an den Arbeitsschwerpunkten des volkskundlichen Instituts orientierte und als Forschungsgrundlage dienen sollte.

Zu Beginn der 1960er Jahre arbeitete Friedrich Sieber an einer Publikation zum Thema „Bunte Möbel in der Oberlausitz“. Im Perspektivenplan 1959–1965 heißt es:

„Das bereits vorhandene Bildmaterial wird durch eine Aufnahme der Bunten Möbel in der Oberlausitz ergänzt. Eine Untersuchung über den Formenbestand der Möbel und über die führenden Möbelwerkstätten Sachsens wird sich anschließen.“

Es folgte eine sehr umfangreiche fotografische Dokumentation von Möbeln in Privatbesitz. Die Recherche und Erfassung dieser Objekte wurde nicht nur von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts vorgenommen, sondern auch von Privatpersonen. Es finden sich beispielsweise auch Nachweise darüber, dass die Jungen Pioniere, die staatlich initiierte Massenorganisation für Kinder der DDR, in die Dokumentation der bunten Möbel mit einbezogen wurden: 

„In vielen Häusern gibt es noch alte bunte Möbel: Truhen, Schränke, Stühle, Tische, Bänke usw. Sie waren zu Urgroßmutters Zeiten Mode. In ihrer oft schönen Bemalung gehören sie zum nationalen Kulturerbe. Ihr Pioniere wollt der Forschung helfen. Geht in die Häuser und schreibt uns auf: […] Wenn Ihr das alles für uns macht, helft ihr wirklich der Forschung“ („Zur Anweisung für die Möbelaufnahme der Pioniere“, undat. Institutsakten).

Abb. 5: Schrank aus Privatbesitz

Mit der fotografischen Arbeit wurde Hans Apelt beauftragt. Vorwiegend im Jahr 1964 fertigte er in 35 Orten in der Oberlausitz etwa 2.600 Bilder von Truhen, Schränken, Stühlen, Tischen und anderen Gegenständen. Anders als Wunderlich, Franke oder Verhey schoss Apelt ganze Bildreihen von einzelnen Objekten, um möglichst viele Details zu erfassen. Damit dokumentierte er auch die Aufnahmesituation selbst: das Ausleuchten der Objekte oder andere Haushaltsgegenstände, die sich in, um oder auf dem Objekt befanden. Damit geben die Fotografien Einblicke in die Wohnräume und in ein Stück Alltagsleben, zeigen auch die sicherlich oftmals herausfordernde Arbeitssituation in beengten und dunklen Räumen. Durch die Vielzahl unterschiedlicher Aufnahmen, vor allem aber auch die Einbeziehung von Privatpersonen und politischen Organisationen, bietet besonders dieser Teil der Museumsdokumentation vielfältige Anknüpfungspunkte für die Wissenschaftsgeschichte und Einblicke in das methodische Vorgehen in den 1960er Jahren der (DDR-)Wissenschaft. Der vorerst letzte Hinweis auf die Museumsdokumentation findet sich im Jahr 1965. Danach wurde der Bestand nicht mehr aktiv erweitert. 

 

Fazit

Abb. 6: Stickmustertuch aus dem ehemaligen Heimatmuseum Neustadt

Die hier skizzierte Entwicklung der Museumsdokumentation ist eine erste Annäherung an diesen Bestand. Bei der weiteren Bearbeitung kann die Erschließung um zeitliche und räumliche Perspektiven, aber auch um die Ordnungsprinzipen der Sach- und Untergruppen erweitert werden. Diese Kategorien sind wichtig und wesentlich für das Verständnis von Genese, Entwicklung und Bedeutung des Bestandes. Aufgrund kriegsbedingter Verluste, mehrere Umzüge und schließlich auch der Digitalisierung sind diese Rubriken zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, jedoch kaum nutzbar. Dennoch lassen sich, nicht allein durch die Fotografien, sondern in Verbindung mit den kontextualisierenden Informationen und Unterlagen, Rückschlüsse auf Forschungsthemen und -methoden sowie auf gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen ziehen. Die Geschichte der Museumsdokumentation ist damit sowohl ein Stück Instituts- als auch Wissenschaftsgeschichte. 

 

 

 

 

 

 

 

Literatur- und Quellenverzeichnis: 

ISGV, Spamer-nachlass K4 (Manuskript, 1936, S.13). 

ISGV, Archiv, 1951, Arbeitsplan, S.1.

ISGV, Archiv, 1954, Schriftverkehr, 22.12.1954. 

ISGV, Archiv, 1964, Perspektivenplan 1959-1965, S. 1.

ISGV, Archiv, undat., Zur Anweisung für die Möbelaufnahme der Pioniere. 

König, Gudrun M.: Stacheldraht: Die Analyse materieller Kultur und das Prinzip der Dingbedeutsamkeit, auf: https://zeithistorische-forschungen.de/sites/default/files/medien/material/2016-3/Koenig_2004.pdf, zuletzt besucht am 26.01.2021.

Rexer, Martin: „…man wird in vielen Fällen mehr aus ihnen herauslesen können“. Zur Entstehungsgeschichte ‚volkskundlicher‘ Sammlungen, in: Beiträge zur Volkskunde in Baden-Württemberg 6, 1995, S. 113 – 138. 

Schlosser, Ulrike: Eine historische Museumsdokumentation, in: Martin, Andreas (Hrsg.): Digitale Bilderwelten. Zur elektronischen Erschließung von Bildsammlungen, Volkskunde in Sachsen 8, Dresden 2003, S. 175 -183. 

Spieker, Ira: Bilder – Welten – Erfassen. Bildsammlungen als Transformationsraum analoger und digitaler Formate, in: Volkskunde in Sachsen. Jahrbuch für Kulturanthropologie 31/2019, S. 197 – 212. 

Weber-Kellermann, Ingeborg/ Bimmer, Andreas C./ Becker, Siegfried: Einführung in die Volkskunde/Europäische Ethnologie: Eine Wissenschaftsgeschichte, 3. Auflage, Stuttgart 1985/2003.